Arbeit ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Sie kann Struktur, soziale Kontakte, Sicherheit und das Gefühl vermitteln, gebraucht zu werden. Gleichzeitig können ungünstige Arbeitsbedingungen die psychische Gesundheit belasten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt unter anderem übermäßige Arbeitsbelastung, geringe Kontrolle über die eigene Arbeit, Arbeitsplatzunsicherheit, Diskriminierung sowie Mobbing als mögliche Risiken für die psychische Gesundheit.
Ein gutes Arbeitsumfeld kann auch schützen
Arbeit selbst ist nicht grundsätzlich eine Belastung. Im Gegenteil: Die WHO weist darauf hin, dass gute und sichere Arbeit die psychische Gesundheit unterstützen kann. Sie bietet unter anderem Einkommen, Struktur, soziale Beziehungen und ein Gefühl von Sinn und persönlicher Leistung.
Unternehmen können deshalb einen wichtigen Beitrag leisten.
Das beginnt nicht unbedingt mit großen Programmen. Eine Unternehmenskultur, in der Menschen respektvoll miteinander umgehen, Probleme ansprechen dürfen und Unterstützung bekommen, wenn sie diese benötigen, ist eine wichtige Grundlage.
Dazu gehören beispielsweise klare Zuständigkeiten, realistische Arbeitsanforderungen, verlässliche Kommunikation und Führungskräfte, die zuhören.
Führungskräfte müssen keine Therapeuten sein
Eine wichtige Grenze sollte dabei ebenfalls klar sein: Führungskräfte und Kolleg*innen können professionelle Hilfe nicht ersetzen.
Ihre Aufgabe ist es nicht, Diagnosen zu stellen.
Sie können aber aufmerksam sein. Sie können Veränderungen wahrnehmen, ein vertrauliches Gespräch anbieten und Hinweise auf Belastungen ernst nehmen. Vor allem können sie dazu beitragen, dass psychische Probleme nicht mit Schwäche oder mangelnder Leistungsbereitschaft gleichgesetzt werden.
Eine Kultur, in der man etwas sagen darf
Vielleicht beginnt psychische Gesundheit am Arbeitsplatz deshalb mit einer einfachen Frage:
Kann ich hier sagen, wenn es mir nicht gut geht?
Eine gesunde Arbeitskultur sollte darauf eine klare Antwort geben können.
Es muss möglich sein, Belastungen anzusprechen, ohne Angst vor Abwertung zu haben. Führungskräfte sollten zuhören können. Das bedeutet nicht, dass Arbeitgeber jedes persönliche Problem lösen können oder sollen.
Aber sie können mitgestalten, wie Menschen während eines großen Teils ihres Alltags miteinander umgehen.
Hinschauen statt wegsehen
Der Welttag der Suizidprävention erinnert uns daran, wie wichtig Prävention, Unterstützung und offene Gespräche über psychische Gesundheit sind. Weltweit sterben nach aktuellen Angaben der WHO jedes Jahr mehr als 720.000 Menschen durch Suizid. Die Ursachen sind komplex und werden von zahlreichen sozialen, psychologischen, biologischen, kulturellen und umweltbezogenen Faktoren beeinflusst.
Deshalb wäre es falsch, einfache Antworten zu geben.
Was Unternehmen aber tun können, ist ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen respektiert werden, Belastungen ernst genommen werden und das Ansprechen psychischer Probleme kein Tabu ist.
Psychische Gesundheit gehört zu einem sicheren Arbeitsplatz genauso wie körperliche Gesundheit.
Und manchmal beginnt Unterstützung mit etwas sehr Einfachem:
Zuhören. Ernst nehmen. Hinschauen.
Quelle, Hilfe und weiterführende Informationen: WHO – Mental health at work · WHO – Suicide Prevention · www.dgs-suizidpraevention.de

