Halloween im Recruiting: Wenn Bewerbungen plötzlich verschwinden

Ghosting ist längst nicht mehr nur ein Phänomen aus der Dating-Welt. Es gehört inzwischen auch zum Arbeitsmarkt.

Und das betrifft beide Seiten.

Bewerber*innen warten vergeblich auf Unternehmen.

Recruiter*innen erreichen plötzlich Kandidat*innen nicht mehr.

Manchmal erscheinen Bewerber*innen nicht zum vereinbarten Vorstellungsgespräch. In anderen Fällen hören Kandidat*innen nach einem guten Gespräch nie wieder etwas vom Unternehmen.

Passend zu Halloween lohnt sich deshalb ein Blick auf einen der unschöneren Recruiting-Trends.

Denn gegen Ghosting hilft keine Knoblauchkette.

Sondern vor allem eines:

klare Kommunikation.

 

Ghosting ist längst keine Ausnahme mehr

Die Zahlen zeigen, wie verbreitet das Phänomen geworden ist.

Eine aktuelle Stepstone-Befragung unter 8.100 Personen kommt zu dem Ergebnis, dass 64 Prozent der Jobsuchenden bereits Ghosting durch Unternehmen erlebt haben.

44 Prozent berichten, schon direkt nach dem Einreichen ihrer Bewerbung keine weitere Rückmeldung erhalten zu haben.

Aber auch Unternehmen kennen das Problem.

70 Prozent der befragten Recruiter*innen haben laut Stepstone bereits erlebt, dass Bewerber plötzlich nicht mehr erreichbar waren.

Ghosting ist damit kein reines Bewerbendenproblem.

Und auch kein reines Arbeitgeberproblem.

Es ist ein Kommunikationsproblem.

 

Warum verschwinden Bewerber*innen?

Die Gründe können sehr unterschiedlich sein.

Vielleicht hat die Person inzwischen ein anderes Angebot angenommen.

Vielleicht hat sie nach dem Vorstellungsgespräch festgestellt, dass die Position doch nicht zu den eigenen Vorstellungen passt.

Vielleicht läuft der Bewerbungsprozess eines anderen Unternehmens schneller.

Oder die Kommunikation während des Recruitings hat Zweifel ausgelöst.

Gerade gefragte Fachkräfte führen häufig mehrere Gespräche parallel.

Wenn Unternehmen über längere Zeit nicht kommunizieren, kann aus anfänglichem Interesse schnell Distanz entstehen.

Stepstone weist darauf hin, dass eine transparente und regelmäßige Kommunikation ein wichtiger Bestandteil einer positiven Candidate Journey ist. Lange Reaktionszeiten, schlechte Erreichbarkeit oder fehlende Informationen über den weiteren Ablauf können dagegen einen Kontaktabbruch begünstigen.

Natürlich rechtfertigt das kein Ghosting.

Eine kurze Absage ist fast immer die bessere Lösung.

Aber Unternehmen sollten trotzdem hinterfragen, warum Kandidat während ihres Prozesses möglicherweise das Interesse verlieren.

 

Und warum ghosten Unternehmen?

Auch auf Unternehmensseite steckt nicht immer böse Absicht dahinter.

Manchmal ist die Personalabteilung überlastet.

Eine Entscheidung aus der Fachabteilung fehlt.

Eine Führungskraft ist im Urlaub oder krank.

Die Position wurde kurzfristig verändert.

Oder eine Stelle wird doch nicht besetzt.

All das kann passieren.

Das Problem beginnt dort, wo diese internen Gründe für Bewerber*innen zu wochenlanger Funkstille führen.

Denn Kandidat*innen kennen die internen Prozesse nicht.

Sie wissen lediglich:

Ich habe Zeit in diese Bewerbung investiert – und bekomme keine Antwort.

Vielleicht haben sie Unterlagen vorbereitet.

Vielleicht haben sie sich für ein Gespräch freigenommen.

Vielleicht sind sie zum Unternehmen gefahren.

Und möglicherweise haben sie sich nach einem positiven Vorstellungsgespräch bereits ernsthaft mit einem Wechsel beschäftigt.

Keine Rückmeldung ist dann nicht einfach nur ein organisatorisches Versäumnis.

Sie prägt das Bild vom Unternehmen.

„Wir melden uns“ sollte etwas bedeuten

Kaum ein Satz fällt am Ende eines Vorstellungsgesprächs häufiger:

„Wir melden uns bei Ihnen.“

Doch wann?

Morgen?

Nächste Woche?

In drei Wochen?

Unklarheit schafft Raum für Unsicherheit.

Deshalb gehört zu einem guten Bewerbungsprozess auch eine realistische zeitliche Orientierung.

Zum Beispiel:

„Wir führen diese Woche noch weitere Gespräche und melden uns spätestens kommenden Dienstag.“

Eine solche Aussage schafft Klarheit.

Und wenn sich die Entscheidung verzögert?

Dann reicht häufig bereits eine kurze Nachricht.

„Unsere Abstimmung dauert leider etwas länger. Wir melden uns spätestens Ende der Woche.“

Keine komplizierte Kommunikation.

Kein langer Text.

Aber ein wichtiges Signal:

Wir haben Sie nicht vergessen.

 

Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor

Ein Bewerbungsprozess muss nicht innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein.

Gute Personalentscheidungen brauchen manchmal Zeit.

Doch Zeit und Funkstille sind zwei unterschiedliche Dinge.

Aktuelle Stepstone-Daten zeigen, dass 26 Prozent der Befragten einen Bewerbungsprozess abbrechen, wenn die Rückmeldung zu lange dauert.

Damit wird Kommunikation auch zu einer wirtschaftlichen Frage.

Unternehmen investieren Geld in Stellenanzeigen, Personalmarketing, Active Sourcing und Employer Branding.

Wenn geeignete Kandidat*innen anschließend aufgrund eines langsamen oder unklaren Prozesses abspringen, verpufft ein Teil dieser Investitionen.

 

Schnelles Recruiting bedeutet deshalb nicht, vorschnell zu entscheiden.

Es bedeutet, den Prozess aktiv zu steuern und Menschen nicht unnötig warten zu lassen.

Eine Absage ist besser als keine Antwort

Niemand bekommt gerne eine Absage.

Aber Klarheit ermöglicht es, weiterzumachen.

Genau darin liegt der Unterschied zum Ghosting.

Ein klares Nein beendet einen Prozess.

Funkstille lässt ihn offen.

Deshalb gehört auch eine respektvolle Absage zu einer guten Candidate Experience.

Sie muss nicht mehrere Seiten lang sein.

Aber sie sollte deutlich machen, dass die Bewerbung wahrgenommen und der investierte Aufwand respektiert wurde.

Das gilt genauso für Bewerber*innen.

Wer nach einem Gespräch feststellt, dass der Job doch nicht passt, darf absagen.

Wer ein anderes Angebot angenommen hat, darf absagen.

Wer seine Meinung geändert hat, darf absagen.

Eine Entscheidung zu verändern ist nicht unprofessionell. Einfach zu verschwinden schon eher.

 

Recruiting ist keine Einbahnstraße

Lange Zeit wurde der Bewerbungsprozess vor allem als Auswahlverfahren betrachtet.

Das Unternehmen entscheidet.

Die Bewerber*innen hoffen.

Diese Vorstellung passt immer weniger zur heutigen Arbeitswelt.

Denn beide Seiten prüfen einander.

Unternehmen möchten wissen:

Passt dieser Mensch zu unserer Position?

Bewerber*innen fragen gleichzeitig:

Passt dieses Unternehmen zu meinem Leben und meinen beruflichen Vorstellungen?

Damit entstehen auch gegenseitige Erwartungen.

Pünktlichkeit.

Vorbereitung.

Respekt.

Verbindlichkeit.

Und Kommunikation.

Wer diese Eigenschaften von seinem Gegenüber erwartet, sollte sie deshalb selbst vorleben.

Ghosting beschädigt Beziehungen, bevor sie überhaupt entstehen

Recruiting ist Beziehungspflege.

Und diese Beziehung beginnt bereits vor dem ersten Arbeitstag.

Vielleicht passt ein Bewerber*innen heute nicht zur Position.

In einem Jahr könnte eine andere Stelle perfekt passen.

Vielleicht entscheidet sich ein Unternehmen heute für eine andere Person.

Später kreuzen sich die beruflichen Wege erneut.

Gerade auf regionalen Arbeitsmärkten begegnet man sich häufig mehr als einmal.

Eine respektvolle Absage kann deshalb eine Tür offenlassen.

Ghosting schlägt sie häufig unnötig zu.

Stepstone weist ebenfalls darauf hin, dass Ghosting auf beiden Seiten negative Auswirkungen auf Reputation und zukünftige berufliche Kontakte haben kann.

Man weiß nie, wann man sich im Berufsleben wieder begegnet.

 

Employer Branding zeigt sich, wenn es unangenehm wird

Über Unternehmenskultur zu sprechen, wenn alles gut läuft, ist einfach.

Interessanter wird es in schwierigen Situationen.

Wie kommuniziert ein Unternehmen eine Absage?

Wie geht es mit Verzögerungen um?

Wie reagiert es auf Nachfragen?

Bleibt der Umgang respektvoll, auch wenn eine Person nicht eingestellt wird?

Genau dort wird Employer Branding konkret.

Denn Werte wie Respekt, Transparenz oder Kommunikation auf Augenhöhe überzeugen nicht dadurch, dass sie auf einer Karriereseite stehen.

Sie überzeugen dadurch, dass Menschen sie erleben.

Candidate Experience ist gelebtes Employer Branding.

 

Klare Kommunikation muss nicht kompliziert sein

Ghosting lässt sich vermutlich nie vollständig verhindern.

Aber viele Situationen können durch einfache Maßnahmen verbessert werden.

Dazu gehören:

  • automatische Eingangsbestätigungen,
  • feste Ansprechpersonen,
  • realistische Zeitangaben,
  • kurze Zwischenmeldungen bei Verzögerungen,
  • verbindliche Absprachen,
  • zeitnahe Zu- oder Absagen,
  • einfache Möglichkeiten für Rückfragen.

Und auch Bewerber*innen können ihren Teil beitragen.

Wenn das Interesse nicht mehr besteht, reicht häufig eine kurze Nachricht.

Niemand muss einen Roman schreiben.

„Vielen Dank für das Gespräch. Ich habe mich inzwischen für eine andere berufliche Möglichkeit entschieden und möchte meine Bewerbung daher zurückziehen.“

Fertig.

Klarheit dauert manchmal weniger als eine Minute.

 

Unser Verständnis bei Knoop

Gerade in der Personaldienstleistung ist Kommunikation entscheidend.

Menschen kommen zu uns, weil sie eine berufliche Perspektive suchen.

Dabei entstehen Fragen.

Manchmal ändern sich Pläne.

Manchmal passt eine Stelle nicht.

Und manchmal ergibt sich im Gespräch eine völlig andere Möglichkeit.

Das gehört zum Recruiting dazu.

Wichtig ist für uns deshalb, miteinander im Austausch zu bleiben.

Persönliche Ansprechpersonen, ehrliche Kommunikation und ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe gehören für uns zu einer guten Zusammenarbeit.

Wir erwarten Verbindlichkeit von Bewerber*innen und Mitarbeitenden.

Aber Verbindlichkeit funktioniert für uns in beide Richtungen.

Denn hinter jeder Bewerbung steht ein Mensch.

Und hinter jeder offenen Stelle ein Unternehmen, das ebenfalls Zeit und Arbeit in die Suche investiert.

Beides verdient Respekt.

 

Fazit: An Halloween dürfen Geister gerne bleiben

Ein bisschen Grusel gehört zu Halloween.

Im Recruiting können wir darauf verzichten.

Ghosting mag manchmal der bequemste Weg sein, einer unangenehmen Nachricht oder Entscheidung aus dem Weg zu gehen.

Langfristig schafft es jedoch vor allem eines:

Unsicherheit.

Dabei wäre die Alternative meistens erstaunlich einfach.

Eine kurze Nachricht.

Ein ehrliches Nein.

Eine Information über eine Verzögerung.

Oder ein freundlicher Anruf.

Gute Kommunikation bedeutet nicht, immer die Nachricht zu überbringen, die das Gegenüber hören möchte.

Sie bedeutet, überhaupt eine Antwort zu geben.

Und deshalb gilt zumindest im Recruiting:

Die einzigen Geister, die Ende Oktober willkommen sein sollten, sind die an Halloween.

 

 

Quellen:
Stepstone – Job-Ghosting: Definition, Gründe und Tipps – aktuelle Stepstone-Befragung mit Daten zur Verbreitung von Ghosting bei Jobsuchenden und Recruiter:innen. StepStone
Stepstone – Ghosting im Recruiting: Ursachen und Maßnahmen – Hintergründe zu Candidate Journey, Kommunikation und möglichen Folgen von Ghosting. StepStone
Stepstone – Bewerbungsprozess im Recruiting – zur Bedeutung transparenter und kandidatenorientierter Bewerbungsprozesse.